Ohne Sicherheit haben wir keine Freiheit. Die Schweiz hat laut Statistik bei der Kriminalität europäisches Niveau erreicht. Diese schlechte Nachricht wird zum Erfolg umformuliert. Hinter diesen Zahlen verbergen sich jedoch menschliche Schicksale. Die steigende Kriminalität hat eine staatspolitische Dimension. Wenn die Schweiz auf europäisches Niveau in der Kriminalität absteigt, ist der Staat seiner wichtigsten Aufgabe nicht mehr gewachsen.

Für die einen ist der Mensch ein rechtloses Subjekt, das der Regierung zu dienen hat. So funktionieren autoritäre Obrigkeitsstaaten. Für die anderen ist der Mensch frei, nicht Untertan, sondern Bürger. Das ist das Gedankengut, das unserem Staate zugrunde liegt. Wir glauben an den freien Menschen. Nicht der Staat bestimmt, sondern jeder von uns selbst. Der freiheitliche Staat hat keine weltpolitische oder religiöse Mission. Der Zweck unseres Staates ist die Freiheit seiner Bürger. Darum hat er vor allem einen Auftrag, die Sicherheit zu gewährleisten und die Freiheit zu schützen. Damit diese Staatsform funktioniert, sind wir bereit, einen Teil unserer Freiheit aufzugeben: Wir akzeptieren Einschränkungen in Form von Gesetzen. Für die Einhaltung dieser Gesetze bezahlen wir Steuern. Gesetze, Steuern, Militärdienst, das ist für den Einzelnen immer ein Freiheitsverzicht. Als Gegenleistung erwarten wir vom Staat, dass er uns die Sicherheit von Leib, Leben und Eigentum garantiert.

Unser Gleichgewicht geht verloren, denn es gibt eine wachsende Zahl von Menschen, die keinen Beitrag leisten, keine Verantwortung für sich übernehmen und von anderen profitieren. Die Freiheit gebrauchen kann nur, wer sicher ist. Nirgends kann man das Wohl der Schwachen so gut messen wie an deren Sicherheit im Alltag. Menschlichkeit und Humanität drücken sich nicht im Verständnis für Straftäter aus, sondern im Verständnis für die Anständigen. Menschlichkeit heisst: Es setzt sich nicht der durch, der stärker und gewissenloser ist, sondern der, der Recht hat. Dem Ehrlichen wird gegen den Betrüger geholfen. Dem Gutgläubigen wird gegen den Durchtriebenen beigestanden. Diese Errungenschaft dürfen wir uns nicht nehmen lassen. Die Politik steht im Verzug. Das Schweizer Volk erfüllt ihre Verpflichtungen, sie haben Anspruch auf die Gegenleistung.

Jacqueline Wunderer, Landrätin, Nationalratskandidatin SVP